10. November 2020

Welche Auswirkungen hat der Sieg von Biden auf die steirische Exportwirtschaft?

Ihr Kontakt im ICS

Mag. Daniela GUSS

Projektleitung Fokusprogramme
T +43 316 601 546
M +43 664 8179273
E daniela.guss@ic-steiermark.at

Keine andere Wahl wird international so verfolgt wie alle 4 Jahre die US-Wahl. Aktuell zeigt sich vor allem die Zerrissenheit des Landes: Von einem klaren Sieg Bidens, wie von vielen Meinungsforschern prognostiziert, kann nicht die Rede sein; und wie auch immer man zu Trump steht, eines muss klar sein, auch wenn der neue US-Präsident Biden heißt, wird Trumps Linie nicht verschwinden. Man kann davon ausgehen, dass die Republikaner in den nächsten 4 Jahren noch extremer und besser organisiert werden.

Zwar verfolgen beide Kandidaten unterschiedliche Wirtschaftsansätze, jedoch wird die USA auch unter Biden protektionistisch ausgerichtet bleiben, was auch sein „Made in All of America“ verdeutlicht. Auch er möchte die Produktion in die USA zurückverlagern – es kann daher nicht angenommen werden, dass er Trumps Importzölle und Handelshürden schnell aufheben oder senken wird.

„Der Sieg Joe Bidens bedeutet für uns definitiv mehr Vertragstreue, Berechenbarkeit und Nachhaltigkeit. Ich denke, dass wir gerade die Verwerfungen auf politischer Ebene, die dann wiederum auf die Wirtschaft ausgestrahlt haben, in Zukunft weniger oft erleben werden.“

Der steirische Außenhandel mit den USA

Ja, Trumps Handelspolitik hat Spannungen und Unsicherheit geschaffen. Fairerweise muss aber festgehalten werden, dass die US-Wirtschaft in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt hat, der erst mit März, Corona-bedingt, zu Ende ging.

Auch die österreichischen, wie auch die steirischen Exporte in die Vereinigten Staaten haben sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. So konnte seit dem Jahr 2016 ein Plus von fast 70% an steirischen Exporten in die USA erreicht werden – Ziel ist es, dieses Niveau weiter zu halten. Aktuell belegen die USA Platz 2 auf der Liste der wichtigsten Exportmärkte der Steiermark (siehe Grafik), 2019 konnten die heimischen Unternehmen bereits ein Volumen von 2,3 Mrd. Euro in die USA verbringen.

„Die USA haben als zweitwichtigster Handelspartner hinter Deutschland eine enorme Bedeutung für die steirische Exportwirtschaft. Die Auswirkungen des Wahlsieges von Joe Biden sind derzeit noch schwer einzuschätzen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er insgesamt eine offenere Außenpolitik verfolgt, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Darüber hinaus wird wohl das Thema grüne Technologien eine größere Bedeutung bekommen, ein Bereich, der zu den wesentlichen Stärkefeldern der Steiermark zählt.“

Österreichische Unternehmen, die in den USA geschäftlich aktiv sind, berichten, dass sie spürbar von der Steuerreform Trumps profitiert haben, da die Körperschaftssteuer von zuletzt 35% auf 21% reduziert wurde. Strafzölle wurden vielfach nur angedroht und nicht umgesetzt und haben österreichische Unternehmen vergleichsweise wenig betroffen, vor allem, wenn diese bereits in den USA produzieren, wiewohl die Einfuhr aus China natürlich die Supply Chains belastet hat.

Ein Ausblick

Der Sieg Bidens dürfte einen freundlicheren Ton Richtung Europa und eine Deeskalation Richtung China bedeuten. Auch deutet viel darauf hin, dass es Erleichterungen im internationalen Warenverkehrsfluss geben wird.

Während Trump auf „alte“ Industriezweige wie fossile Brennstoffe, Kohle, Stahl und die Automobilindustrie setzte, werden unter Biden grüne Technologien und Klimaschutz wieder mehr an Bedeutung gewinnen. So soll die Energiewirtschaft bis 2035, die gesamte Wirtschaft bis 2050 CO2-neutral werden. Ein Wiedereinstieg in das Pariser Klimaschutzabkommen ist beabsichtigt, was eine verstärkte Klimaschutzpolitik, neue Regulierungen im Umweltschutz und ein „Green New Deal“-Programm nach sich ziehen würde. Hiervon werden auch steirische Unternehmen profitieren können.

„Unter Biden werden wir einen neuen Zugang zum Thema Klima- und Energiepolitik sehen. Mit dem Green New Deal sind Investitionen in der Höhe von mehr als 1,7 Billionen Dollar in klimafreundliche Infrastruktur geplant. Das sind Stärkefelder unserer steirischen Industrie und hier sehen wir große Chancen von diesem Aufschwung zu profitieren.“

Biden möchte zudem verschärfte Arbeitsrechtgesetze umsetzen, um Gleichberechtigung zu garantieren. Die Erhöhung des Mindestlohns könnte die Produktion in den USA auch für heimische Unternehmen teurer machen. Im Vergleich zu Trumps Ankündigung weiterer Steuersenkungen, plant Biden höhere Steuern für Unternehmen und wohlhabende Amerikaner.

Entscheidend für die steirische Exportwirtschaft wird sein, wie schnell das von Biden geplante Konjunkturpaket umgesetzt werden kann, sich die US-Wirtschaft dadurch erholt und somit unsere Produkte in den USA nachgefragt werden.

Nicht vergessen werden darf auch, dass (auch unter Trump) Wahlprogramme kaum 1:1 umgesetzt werden und sich Biden noch dazu mit der republikanischen Mehrheit im Senat schwertun wird.