15. Dezember 2020

…und täglich grüßt der BREXIT

Ihr Kontakt im ICS

Alexandra KOHRGRUBER, M.A.

Projektmanagement
T +43 316 601 275
M +43 664 8179369
E alexandra.kohrgruber@ic-steiermark.at

Wo stehen wir aktuell und was bedeutet das für steirische Unternehmen?

Am 31.01.2020 verließ das Vereinigte Königreich bereits formell die EU, der Brexit wurde vollzogen, das Königreich wurde zum Drittstaat und die EU-28 auf 27 Mitgliedsstaaten reduziert. Für heimische Unternehmen ergaben sich daraus zunächst keine Änderungen – business as usual konnte dank der Einigung über den Austrittsvertrag zwischen EU und dem UK und der damit einhergehenden Übergangsphase fortgesetzt werden.

Am 31.12.2020 – in genau 15 Tagen – endet dieser Übergangszeitraum jedoch und das Vereinigte Königreich wird somit auch praktisch zum Drittstaat. Ob dann ein Nachfolgeabkommen besteht, das die künftigen Beziehungen mit dem UK regelt, steht auch heute – knapp zwei Wochen vor dem entscheidenden Datum – noch nicht fest.

Und egal ob mit oder ohne Nachfolgeabkommen – die Geschäftsabwicklung mit dem UK ändert sich in jedem Fall und birgt insbesondere für Unternehmen, die bis dato nur innerhalb der EU tätig waren, mitunter große Herausforderungen.

Unser Tipp: Merken Sie sich schon jetzt unser Live-Webinar | Geschäfts­abwicklung post Brexit am 2.2.2021 vor!

„Ziel muss es sein, mit allen Verhandlungsgeschicken zu versuchen, einen ungeregelten Hard-Brexit als Worst-Case-Szenario, also eine Lose-Lose-Situation, zu vermeiden.“

Doch welche Fragen beschäftigen unsere heimischen Unternehmen wirklich? Wir beantworten Ihnen die Top-5 der meistgestellten Fragen der steirischen Betriebe.

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um eine Erstinformation handelt, für die Abklärung Ihres individuellen Falles ersuchen wir um Ihre Kontaktaufnahme unter office@ic-steiermark.at; Mit dieser vereinfachten Darstellung möchten wir Ihnen als Orientierungshilfe einen schnellen Überblick über die aktuellen Brexit-Regelungen geben.

5 Fragen & Antworten zum Brexit

[Stand: 16.12.2020]
Wir beschäftigen BritInnen in unserem Unternehmen – Welche Änderungen ergeben sich ab 2021, was ist zu tun?

Britische Staatsbürger, die bereits jetzt in Österreich leben greift direkt das Austrittsabkommen. Sie behalten ihr unionsrechtliches Aufenthaltsrecht auch nach Ende der Übergangsphase und haben somit weiteren einen unbeschränkten Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Betroffene ArbeitnehmerInnen müssen nach Ende der aktuellen Übergangsphase (konkret 1.1.2021 bis 31.12.2021) einen Antrag auf Bestätigung des weiteren Aufenthaltsrechts auf Basis des Austrittsabkommens stellen. Der Antrag muss persönlich bei der zuständigen Behörde gestellt werden, die sich nach dem Wohnsitz richtet.

  • Details finden Sie HIER.
Was geschieht mit Waren, die vor dem 31.12. geliefert werden, aber erst im Neuen Jahr im UK ankommen?

Der Austrittsvertrag regelt u.a. Warenlieferungen, die sich zum Ende der Übergangsphase am Transportweg befinden: diese Lieferungen werden als Warenbewegungen von Unionsware behandelt und es gelten die Bestimmungen der innergemeinschaftlichen Lieferung für diese Waren weiter. (Ausnahmen gelten für Beförderung v Tieren/tierischen Erzeugnissen).

Zu beachten sind auch die Regelungen für die vorübergehende Verwendung von Waren bzw. Bestimmungen für die Be- oder Verarbeitung.

  • Details finden Sie HIER.
Werden ab 2021 Zölle für meine Lieferung nach bzw. aus UK anfallen?

Egal ob mit oder ohne Abkommen, ab 2021 besteht jedenfalls eine Zollgrenze zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich und Unternehmen müssen sich auf Zollformalitäten wie Zollkontrollen, Zollanmeldungen, Ursprungsregeln und Beschränkungen einstellen. Egal ob mit oder ohne Abkommen, eine Zollanmeldung wird künftig jedenfalls erforderlich sein.

Falls es in den verbleibenden Wochen doch noch gelingt, ein Handelsabkommen zu fixieren, werden Zollsätze für Ursprungswaren gesenkt oder gänzlich eliminiert. Kommt jedoch kein Abkommen zustande, käme der volle EU-Drittland-Zollsatz auf britische Einfuhren bzw. britische Zollsätze (UK Global Tariff) für österr. Exporte nach UK zur Anwendung. Das UK hat für 2021 eine stufenweise Einführung der Einfuhrzollabwicklung geplant.

Wir importieren Waren aus dem UK. Hat der Brexit Auswirkungen auf meine Supply Chain?

Ja! Das Ende der Übergangsphase bringt eine Zollgrenze mit sich, egal ob mit oder ohne Nachfolgeabkommen. Dies wiederum bedeutet einen deutlichen Mehraufwand in vielerlei Hinsicht und es ist mit längeren Lieferzeiten in der Supply Chain unserer Unternehmen sowie einem nicht vernachlässigbaren, finanziellen Mehraufwand zu rechnen.

„Jeder Versender nach UK muss zeitliche Verzögerungen einkalkulieren. Vor allem in der Zollabwicklung wird es anfangs zu größeren Problemen kommen“ erklärt Robert Brugger, Geschäftsführer des ICS.

Wir exportieren regelmäßig Waren nach UK. Hat der Brexit umsatzsteuerrechtliche Auswirkungen für mein Unternehmen?

Ja! Ab 2021 können Warenlieferungen in das Vereinigten Königreich nicht mehr als umsatzsteuerbefreite, innergemeinschaftliche Lieferungen behandelt werden. Es wird daher ua die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie nicht mehr anwendbar sein und Exporte sind sodann als Ausfuhren, die unter bestimmten Voraussetzungen umsatzsteuerfrei sind (ua. Ausfuhrnachweis), zu betrachten.

Bei Lieferungen in das UK ist daher zu beachten, dass neben Zollanmeldungen und allfälligen Zollabgaben künftig auch die Einfuhrumsatzsteuer entrichtet werden muss, wofür wiederum die steuerliche Registrierung des Importeurs erforderlich ist.

  • Details zur steuerlichen Registrierung, der Beantragung der EORI-Nummer uvm. finden Sie HIER.

Brexit-Hintergrundinfos

To deal or not to deal

Mehr als viereinhalb Jahre liegt das nunmehr historische Brexit-Referendum zurück, im Zuge dessen sich knapp 52% der Briten für den Austritt aus der EU entschieden haben. Viereinhalb Jahre, geprägt von unzähligen Verhandlungsrunden- & Diskussionen, Annäherungen & Entfremdungen zwischen den Verhandlungspartnern und mehr oder weniger medienwirksamen Auftritten.

Rückblickend ist die Einigung zwischen der EU und dem UK über den Austrittsvertrag Ende 2019, eine der Erfolge der Verhandlungen. Schließlich legt dieser vielfach zitierte „Scheidungsvertrag“ nicht nur weite Bereiche wie die Rechte der EU-BürgerInnen im UK und BritInnen in der EU fest, sondern umfasst auch die so wichtige Übergangsphase: Zwar verließ das UK am 31.1.2020 formell die EU, dank der vereinbarten Übergangsphase konnte jedoch sichergestellt werden, dass dies keine praktischen Auswirkungen nach sich zog und das UK nach wie vor wie ein EU-Mitgliedsstaat behandelt wurde. Auch für heimische Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen im UK änderte sich somit bis dato nichts.

Ziel war es, diese Übergangszeit zu nützen, um bis zum 31.12.2020 ein möglichst umfassendes Nachfolgeabkommen zu schnüren und somit einen „sanften“ Start im Jahr 2021 zu ermöglichen. Die Monate verstrichen und waren zuletzt geprägt von den Auswirkungen der Covid19-Pandemie, die das UK noch härter als Kontinentaleuropa traf und Verhandlungen für viele Wochen nur virtuell ermöglichte; Ein Umstand der die komplexen Verhandlungen zwischen britischer Souveränität und der Integrität des EU-Binnenmarkts über die besonders heiklen Knackpunkte – faire Wettbewerbsregeln („level playing field“), die Fischerei & die Streitbeilegung bei künftigen Konflikten – sicherlich nicht einfacher machte.

Time to say good-bye

In knapp zwei Wochen, am 31.12.2020, endet die Übergangsphase also und das Vereinigte Königreich verlässt nicht nur den Binnenmarkt, sondern auch die Zollunion & das harmonisierte Umsatzsteuergebiet und wird damit auch praktisch zum Drittland;

Ob mit oder ohne Nachfolgeabkommen ist auch heute (Stand 16.12.2020), trotz Johnsons „Get Brexit Done“-Parolen und vielfach gesetzten Deadlines beiderseits, noch immer nicht fix.

Sie haben individuelle Fragen?

Vertiefende Informationen & Antworten auf viele weitere Fragen rund um den EU-Austritt des UK inkl. Rückblick zur Webinar-Reihe „Baustelle Brexit“ finden Sie unter: www.wko.at/brexit

Das ICS berät Sie gerne in enger Kooperation mit dem Brexit Info Point der Wirtschaftskammer Österreich (T: 0590900-5590 | E-Mail: brexit@wko.at) und dem WKÖ AußenwirtschaftsCenter in London

Kommende Veranstaltungen