RECAP | Indien im steirischen Rampenlicht
Vergangene Woche stand die Steiermark ganz im Zeichen des wirtschaftlichen Austauschs mit Indien. Auf Einladung des ICS besuchte der indische Botschafter Shambhu S. Kumaran die Steiermark, um gemeinsam mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Chancen des geplanten EU-Indien Freihandelsabkommens und die zukünftige Zusammenarbeit zu diskutieren.
Den Auftakt bildete ein hochkarätig besetzter Business Round Table am Standort von legero united in Feldkirchen bei Graz. Im Zentrum der Gespräche standen die wirtschaftlichen Potenziale des indischen Marktes, strategische Partnerschaften sowie konkrete Erfahrungen steirischer Unternehmen in Indien. I.E. Shambhu S. Kumaran betonte dabei mehrfach die Bedeutung von Vertrauen als Grundlage langfristiger Geschäftsbeziehungen zwischen Indien und Europa.
In den Gesprächen wurde deutlich, dass Indien für viele steirische Unternehmen längst ein strategischer Kernmarkt ist. Während Stefan Stolitzka auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in Indien zurückblickte und Indien als „wichtigsten Markt der Welt“ bezeichnete, berichteten auch AVL, ZETA und Münzer Bioindustrie von ihren langjährigen Aktivitäten und Wachstumspotenzialen vor Ort. Deutlich wurde außerdem die Schnittmengen zwischen der Steiermark und Indien in Bereichen wie Mikroelektronik, Mobilität, Greentech, Pharma, Biotechnologie sowie Bildung und Fachkräfteentwicklung.
Am Nachmittag fand im Technopark Raaba die Veranstaltung „Zukunftsmarkt Indien – Chancen des EU–Indien Freihandels für steirische Unternehmen“ statt, an der rund 40 Vertreter:innen unterschiedlicher Unternehmen teilnahmen. Ziel der Veranstaltung war es, steirischen Unternehmen praxisnahe Einblicke in die Chancen des indischen Marktes sowie die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens zu geben.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Begrüßungsworten von Karl Hartleb (ICS), dem indischen Botschafter Shambhu S. Kumaran sowie Peter Schreiner vom Technopark Raaba. Unter der Moderation von Clara Lenz beleuchteten Expert:innen anschließend im Rahmen der Impulstalks unterschiedliche Perspektiven der Zusammenarbeit mit Indien:
Ankur Munjal und Naina Bhardwaj von Dezan Shira & Associates gaben einen umfassenden Überblick über das geplante EU-Indien Freihandelsabkommen und dessen Bedeutung für europäische Unternehmen. Besonders hervorgehoben wurde dabei der enorme Umfang des Abkommens: Insgesamt sollen rund 90 Prozent der Zolltariflinien beziehungsweise mehr als 96 Prozent des Handelsvolumens unter das Freihandelsabkommen fallen. Zudem wurde erläutert, dass die Vereinbarung künftig jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen auf EU-Exporte einsparen könnte. Darüber hinaus zeigten die Vortragenden konkrete Chancen in Bereichen wie Maschinenbau, Mobilität, Green Tech, Elektronik, Pharma und Industrieautomatisierung auf.
Morten Bay Jensen, COO von legero united, sprach über die praktischen Erfahrungen des Unternehmens beim Aufbau eines Greenfield-Entwicklungsprojekts im indischen Vellore. Dabei schilderte er die Entwicklung des Standorts von den ersten zwei Mitarbeiter:innen im Jahr 2017 bis hin zu einem modernen Produktionshub mit mittlerweile rund 1.400 Beschäftigten. Zudem gab er Einblicke in Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und die strategische Bedeutung Indiens als Alternative zu klassischen Produktionsstandorten in Asien.
Susanne Feiel von der Montanuniversität Leoben präsentierte das neue Kooperationsmodell der TU Austria mit Indien. Im Mittelpunkt standen dabei Themen wie Fachkräfteentwicklung, Technologie- und Wissenstransfer sowie gemeinsame Innovationsprojekte in Zukunftsbranchen wie nachhaltige Technologien, Infrastruktur und Mobilität. Besonderes Augenmerk lag auf dem Aufbau langfristiger Talent-Pipelines und Kooperationen mit indischen Universitäten, um dem Fachkräftemangel im STEM-Bereich entgegenzuwirken.
Auch Roman Wratschko, Gründer von Edelweissdesign, gewährte spannende Einblicke in die Besonderheiten von Produktentwicklung und Designstrategien im indischen Markt. In seinem Vortrag zeigte er anhand von Beispielen wie Jio, UPI oder IKEA auf, warum erfolgreiche Konzepte aus Europa nicht eins zu eins auf Indien übertragbar sind. Thematisiert wurden unter anderem „Design for the masses“, lokale Nutzerbedürfnisse, kulturelle Gewohnheiten sowie die Bedeutung von Co-Creation und digitaler Infrastruktur für nachhaltigen Markterfolg. Darüber hinaus teilte Wratschko persönliche Erfahrungen aus der internationalen Design- und Innovationsarbeit in Indien.
Im Anschluss an die Impulstalks lud das ICS zum Networking ins Hendricks ein. Bei Flying Dinner und Drinks nutzten die Teilnehmer:innen die Gelegenheit zu einem entspannten Austausch, zur Vertiefung bestehender Kontakte sowie zur Diskussion möglicher zukünftiger Kooperationen zwischen steirischen Unternehmen und Indien. Am darauffolgenden Tag, dem 8. Mai 2026, führte der Besuch des indischen Botschafters weiter nach Leoben. Erste Station war AT&S, wo die Delegation von Gerrit Steen (CFO), Jan Preibisch (Corporate Strategy) und Matthias Pirs (Corporate Affairs) empfangen wurde. Nach einer Unternehmenspräsentation folgte eine Führung durch das Werk. Das Unternehmen betreibt in Nanjangud einen Produktionsstandort mit rund 1.100 Mitarbeiter:innen.
Abschließend besuchte die Delegation die Montanuniversität Leoben. Dort standen Gespräche zur weiteren Intensivierung der österreichisch-indischen Zusammenarbeit in Forschung, Ausbildung und Talententwicklung im Mittelpunkt. Teil des Programms war auch eine Führung durch das Research Center for Hydrogen and Carbon, bei der Zukunftsthemen wie Wasserstofftechnologien, nachhaltige Energieversorgung und industrielle Transformation präsentiert wurden. Begleitet wurde der Besuch unter anderem von Susanne Feiel, Viruschka Tewary, Anuradha Sarup-Glanz sowie indischen Studierendenvertreterinnen der Montanuniversität Leoben.

